Self Publishing ist eine Erfahrung wert

ein eigenes Buch Veröffentlichen

 

Ein Buch ist schnell geschrieben – dachte ich

Als ich mit 48 Jahren meinen gut dotierten Job als Referentin in einem Ministerium kündigte, um als finanziell unabhängige Aussteigerin zu leben, rieb ich mir selbst überrascht die Augen und realisierte: “Ich habe es geschafft, muss nie wieder arbeiten.“ Es war viel einfacher als gedacht und ich gelangte zu der Überzeugung, wenn wir uns den Berufsausstieg als normale Ossis, ohne Erbschaft oder Lottogewinn, die Rente mit 50 leisten können, dann können es eine Menge andere Leute auch. Also beschloss ich, einen Ratgeber zur finanziellen Planung des vorzeitigen Berufsausstiegs zu schreiben.

Ich schrieb munter drauf los. Mein erster Fehler war, ich schrieb in der Passivform – der Text strotzte vor „man muss“ und „man sollte“ und so weiter. Im Internet fand ich die Leselupe. Eine Webseite, welche kostenloses Lektorat von freiwilligen Experten anbietet. Ich schrieb einige an, vier erklärten sich bereit, mein Buch zu lektorieren. Und so gab mir eine Expertin den Tipp, meinen Ratgeber in der Ich-Form und um meine eigene Geschichte herum, zu schreiben. Also schrieb ich den Ratgeber komplett um. Diese Art zu schreiben heißt Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen“). Diesen Schreibstil nutzen viele amerikanische Fachautoren, die Bücher lesen sich wie Romane, sind interessant im Vergleich zu so manchen staubtrockenen Lehrbuch aus Deutschland.

Anschließend korrigierten mir vier Leute meine Rechtschreib- und Grammatikfehler. Auch diese fand ich über die Leselupe beziehungsweise bat ich eine Bekannte, welche Deutschlehrerin ist, um die Korrektur.

Mein erstes E-Book bei Amazon 

Ich meldete mich bei Amazon KDP an und lud mein Buch hoch.

Das Cover erstellte ich mit einem selbst fotografierten Bild, ein weiterer Fehler – wie ich heute weiß. Das Bild ist unscharf und das Cover – nun ja ausbaufähig. Mittlerweile sind meine Cover professioneller. Ich erstelle diese mit Canva, einem Online Grafikprogramm. Dieses Programm lässt sich intuitiv bedienen, ist kostenlos und bieten hochwertige Bilder teils kostenlos an.

Bei Amazon können Sie gratis soviel Bücher hochladen, wie Sie möchten. Das ist nicht das Problem, damit Geld zu verdienen ist schwerer. Nicht umsonst sagt man, dreißig Prozent der Zeit geht für das Schreiben und siebzig Prozent für die Vermarktung drauf. Den Buchmarkt können Sie sich als ein großes Meer vorstellen und jedes neu veröffentlichte Buch ist ein weiterer Tropfen der zur Wassermasse hinzu kommt.

Nun ist es hilfreich, wenn Sie sich vorstellt, wie Sie selbst ein Buch kaufen. Bei mir läuft das so: Mich interessiert ein bestimmtes Thema, also suche ich bei Amazon nach diesem Thema. Und dann schaue ich mir die Rezensionen an. Je mehr ich finde, um so besser. Ich lese die Rezensionen quer und entscheide mich dann. Wer sein Buch erfolgreich bei Amazon verkaufen möchte, benötigt viele gute Rezensionen.

Nun kam ich auf die glorreiche Idee, für mein Buch bei Facebook in diversen Aussteigergruppen zu werben. Mein erster Versuch scheiterte komplett, ich flog aus der Gruppe raus – Werbung war unerwünscht. Ich legte mir einen neuen Account bei Facebook an und bot das Buch gratis an. Gleichzeitig bat ich um Rezensionen. Der Erfolg blieb bescheiden. Zwar wurde das E-Book sechshundert Mal herunter geladen, dafür bekam ich ganze fünf Rezensionen.

Im Kopf überschlug ich meinen nicht vorhandenen Gewinn. Sechshundert verkaufte Bücher mal drei Euro Gewinn pro E-Book hätten mir 1.800 Euro eingebracht. Von dieser Summe träume ich bis heute. Meine gesamten Bücher haben mir bisher nicht einmal eintausend Euro eingebracht. Ich veröffentliche nun seit neun Monaten. Derzeit freue ich mich, wenn ich pro Monat circa einhundert Euro einfahre.

Ein gedrucktes Buch, Wechsel zum Self Publishing Verlag 

Irgendwann entwickelt man sich weiter und ich wollte mein Aussteigerbuch als gedrucktes Buch anbieten. Also meldete ich mich bei Book on Demand (BoD) an und lud dort mein Buch hoch. Für zwanzig Euro pro Jahr veröffentlicht BoD das Buch bei Amazon aber auch bei anderen Buchhändlern (Thalia, iBooks, und so weiter). Der Nachteil von BoD ist, das Buch und das Cover kann nicht nachträglich geändert werden. Bei Amazon korrigiere ich schnell mal was und lade eine neue Version hoch.

Amazon bietet ebenso die Möglichkeit gratis ein gedrucktes Buch zu erstellen an. Allerdings ist es mir noch nicht gelungen, das entsprechende Tool (Create Space) fehlerfrei zu bedienen. Irgendwie scheitere ich immer am Cover.

Zwischendurch habe ich mein Aussteigerbuch einem Finanzverlag angeboten. Ich bekam eine Rückmeldung vom Lektorat. Seit dem habe ich leider nichts wieder gehört. Soweit ich das mitbekommen habe, bringt es Hobbyautoren, wie mir, eher wenig nach einem Verlag zu suchen. Der Verlag kümmert sich, so zumindest die Aussage von mehren Autoren, auch nicht um die alles entscheidende Vermarktung. Diese bleibt dem Autor überlassen.

Vermarktung als Blogger und über Flüsterwerbung

Wer sich mit Self Publishing beschäftigt, stößt unweigerlich auf die Webseite Selfpublisherbibel von Matthias Matting. Diese interessante Webseite informiert komplex und umfassend über das Thema. Ja, dort steht es, bei Facebook nervend zu werben – bringt nichts. Herr Matting betreibt eine eigene gleichnamige Facebookgruppe. Dort fragte ich an, wie ich wohl mein Buch bewerben könnte. Herr Matting antwortete dankenswerterweise, ich solle einen Blog eröffnen, um mir eine Fangemeinde aufzubauen. Das wollte ich erst nicht, ich wollte nur Bücher schreiben aber nicht auch noch bloggen. Fünf Monate machte ich nichts, keine Werbung bei Facebook noch sonst was. In dieser Zeit hatte ich monatliche Einnahmen von circa fünfzig Euro.

Heute weiß ich warum, es hatte sich im Bekanntenkreis herum gesprochen, dass wir auswandern wollen und ich ein Aussteigerbuch geschrieben hatte. Es ist wirklich so, die meisten Bücher verkaufe ich durch Flüsterwerbung. Wer mich kennt und sich für die Rente mit 50 und das Auswandern interessiert, der kauft das Buch. Es ist lustig, bin ich auf einer Party und erzähle, dass man meine Bücher bei Amazon mit den Suchbegriffen „Elke Fischer Aussteiger“ bei „Mehr über den Autor“ findet, dann habe ich am gleichen oder kommenden Tag ein paar Buchverkäufe.

Ab Mai bin ich nun unter die Blogger gegangen. Irgendwann fing ich an, mich über das Bloggen zu informieren und begriff, auch als Blogger kann man Geld verdienen. Erfolgreiche Blogger schreiben über Produkte, Reisen oder sonst was und erhalten dafür vom Hersteller oder Veranstalter Geld.

Es war recht einfach, meinen Vorruhestand.blog bei WordPress einzurichten. Ich blogge über die verschiedensten Wege aus dem Hamsterrad (Rente mit 50, 63 oder 67, Erwerbsminderung), schreibe auch mal über die Krisenvorsorge – schließlich war ich dafür im Ministerium zuständig und plane über unser Aussteiger-Leben mit Kind in Griechenland zu berichten. Während ich das hier schreibe, sitze ich am Meer, meine Tochter angelt, die Sonne scheint und das Meer rauscht. Ein Traum wurde wahr, am Meer sitzen und etwas tun, was Spaß macht und Geld bringt – etwas zumindest. Ich will niemand neidisch machen, nein nur Mut. „Fürchte dich nicht vor Veränderung, eher vor dem Stillstand.“ das Zitat von Laotse sagt es treffend. Wer nicht wagt, gewinnt nicht.

Ach ja und bei Facebook nerven, dass ist erstmal Geschichte – seit meinen Krisen-vorsorgebeitrag bin ich gesperrt. In den Jahren beim Ministerium habe ich erlebt, wie regiert wird. Vielleicht war ich zu kritisch.

 

Autor: Aussteigerin

Mir gehts gut. Ich habe mit 48 Jahren meinen gut dotierten Job gekündigt und bin ausgestiegen. Nun betätige ich mich als Hobby-Autorin und versuche mich seit neuestem als Bloggerin. Ich bin Diplomkauffrau und meine Leidenschaft ist die finanzielle Planung des vorzeitigen Berufsausstiegs. Ich liebe es, mich mit dem Thema Rente, den gesetzlichen Rahmenbedingungen und solchen Problemen auseinander zu setzen und ich kalkuliere und rechne gern. Ich berate meine Freunde und Bekannte und freue mich, wenn ich ihnen ein wenig helfen kann, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Den dieses Aussteiger-Leben ist ein Leben. Punkt!

4 Kommentare zu „Self Publishing ist eine Erfahrung wert“

  1. Genau mein Thema 🙂
    Will ein Buch schreiben (muss nur endlich mal anfangen, aber die Muse fehlt) und will auswandern. Schnellstmöglich. Und versuche herauszufinden, wie man das finanziell hinkriegt.
    Bei dir werde ich also öfter mal vorbeischauen. Schon dieser Beitrag ist hilfreich. Danke dafür 🙂

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    1. Nach wie Du das mit dem Geld durchrechnen kannst, habe ich doch in meinem Buch ausführlich beschrieben. Dort gibt es zahlreiche Tipps, wie man finanziell vorsorgen kann. Kennen wir uns eigentlich persönlichen? Gruß Elke

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