Rentenabschläge bei vorgezogener Rente berechnen

Rentenabschläge bei vorgezogener Rente sind nicht schlimm. Am Beispiel wird gezeigt, dass die Rentenabschläge durch die zusätzlichen Rentenbezugsjahre ausgeglichen werden können.

Rentenabschläge

Die Rente mit 63 kostet Sie NICHT viele Tausend Euro

Sind die lebenslangen Rentenabschläge bei vorgezogener Rente wirklich katastrophal?

Kürzlich recherchierte ich im Internet. Bei dieser Recherche bekam ich den Eindruck, Rentenabschläge müssen etwas fürchterliches sein. Unsere Medien schreiben: „Die Rente mit 63 kostet uns viele Tausend Euro.“ Das ärgert mich. Die lebenslangen Rentenabschläge bei vorgezogener Rente sind der Stein des Anstoßes. Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille, es gibt auch die gute Seite. Und auf dieser Seite zählen nicht nur die gewonnenen Lebensjahre durch die vorzeitige Rente sondern es kommen finanzielle Vorteile hinzu. Das habe ich bei unseren Qualitätsmedien nicht gelesen.

Ich möchte Ihnen zeigen, dass die Rentenabschläge bei vorgezogener Rente nicht katastrophal  sind. Im Gegenteil unter Beachtung der Rentenbesteuerung ist die frühe Rente finanziell vorteilhaft.

Fangen wir mit den Voraussetzungen

Für die frühe Rente gilt:

  • besonders langjährig Versicherte mit 45 Beitragsjahren – sie müssen keinerlei Rentenkürzungen hinnehmen und können mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen,
  • langjährig Versicherte mit 35 Beitragsjahren – können mit Abschlägen von 0,3 Prozent pro Monat früher in Rente gehen.
  • Mit 63 Jahren können Arbeitslose in Rente gehen, die nach dem Alter von 58 Jahren und sechs Monaten für mindestens 52 Wochen keine Arbeit gefunden haben und in dieser Zeit beim Arbeitsamt gemeldet waren. Letztere müssen 15 Pflichtjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht haben, davon acht Jahre in den vergangenen zehn Jahren.

Die Anzahl Ihrer erworbenen Beitragsjahre erfragen Sie am besten bei Ihrer Rentenversicherung. Ich hatte mehrere Termine, als ich meine Kündigung vorbereitete. Jedesmal habe ich dazu gelernt. Der eine Berater hatte jenen Tipp, dem anderen viel noch etwas besseres ein.

Ab wann Sie frühestens mit Rentenabschlägen in Rente gehen können, errechnet dieser einfache Rechner. 

Umfangreicher können Sie Ihren Rentenbeginn und die Rentenhöhe mit dem Rechner der Deutschen Rentenversicherung kalkulieren.

Möchten Sie noch vor der Rente aussteigen, dann empfehle ich Ihnen mein Aussteigerbuch:  Sei glücklich und frei! Lebe als Aussteiger!: Ein Ratgeber zur finanziellen Planung des vorzeitigen Berufsausstiegs.

Nach der Lektüre des Aussteigerbuches denken Sie vielleicht über die Kündigung nach. Vermeiden Sie meine Fehler. Mehr zum Thema richtig kündigen finden Sie hier.

Rentenabschläge am Beispiel

Beispiel – eine im Jahr 1966 geborene Person

Ich lege die folgenden Annahmen fest. Wir betrachten eine im Jahre 1966 geborene Person, welche die reguläre Rente mit 67 Jahren bekommt. Wer vor 1964 geboren ist, kann je nach Alter eher in Rente gehen. Wir nehmen an, diese Person hat einen Rentenanspruch von 1.650 Euro laut Renteninformation. Unsere Person möchte mit 63 Jahren in Rente gehen. Mehr als vier Jahre eher, gibt es nicht.

Lassen Sie uns nun rechnen

Der Rentenabschlag beträgt 14,4 Prozent. 0,3 Prozent mal zwölf  Monate mal vier Jahre ist gleich 14,4 Prozent.

Die 1.650 Euro Rente minus 238 Euro ( 14,4 Prozent von 1.650 Euro) ergibt 1.412 Euro Rente.

Nun kommt die Rechnung, die ich bei den Qualitätsmedien und diversen Anbietern von Versicherungen gefunden habe.

238 Euro Abschlag mal zwölf Monate ergibt 2.856 Euro pro Jahr an Einbußen.

Werden Sie 85 Jahre, bekommen Sie 22 Jahre Rente.  22 Jahre mal 2.856 Euro sind in Summe 62.832 Euro weniger Geld. Das sind die vielen tausend Euro, die Sie durch die Abschläge einbüßen.

Richtig? Naja, die Person bekommt durch die vorgezogene Rente doch vier Jahre mehr Rente.

1.412 Euro Rente mal 12 Monate sind 16.944 Euro pro Jahr mal vier Jahre sind in Summe 67.776 Euro, die die Person zusätzlich bekommt. Und das sind knapp 5.000 Euro mehr als die Summe der Abschläge bei 85 Lebensjahren.

Rechne ich diese 67.776 Euro durch die 238 Euro Abschläge und durch zwölf Monate ergeben das 23,73 Jahre. In diesen knapp 24 Jahren sind die in Kauf genommenen Abschläge durch die vier Jahre vorzeitigen Rentenbezug ausgeglichen.

Fazit: Es lohnt sich finanziell, früher in Rente zu gehen.

Wer eine niedrige Rente hat und davon nicht leben kann, dem helfen die Abschläge nicht. Gott sei dank gibt es die Grundsicherung. Ab einer Rente von siebenhundert Euro können Sie die Grundsicherung beantragen. Erwarten Sie eine niedrige Rente? Ich empfehle Ihnen, lassen Sie sich von einem Sozialverband (VdK) beraten.

Die steigende Rentenbesteuerung frisst die Rente

Wir sollten einen zusätzlichen negativen Effekt betrachten. Je höher Ihre Rente ist, um so mehr Steuern zahlen Sie. Logisch!

Gibt es einen gegensätzlichen Effekt zwischen Rentenabschlägen und Rentenbesteuerung? Lassen Sie uns diese Frage prüfen.

Wer sich mit dem Thema Rentenbesteuerung befasst, der weiß:

Im Jahr 2018 sind 76 Prozent der Rente zu versteuern. Dieser Prozentsatz steigt an, im Jahre 2040 werden die Renten zu 100 Prozent besteuert. Nähere Informationen zur Rentenbesteuerung finden Sie bei der Rentenversicherung.

Den Besteuerungsanteil legt das Finanzamt zu Beginn fest. Er bleibt dem Rentner lebenslang erhalten. Das ist der Grund, warum mit jeder Rentenerhöhung mehr Rentner Steuern zahlen müssen. Im Jahr 2018 sind 9.000 Euro steuerfrei. Steigt die Rente, überschreiten die Rentner durch die Rentenerhöhung diese Grenze und zahlen an den Staat zurück.

Richtig schlimm, wird es für die Babyboomer. Diese müssen Ihre Rente voll versteuern. Naja und die heutige Jugend trifft es sowieso schwer im Hinblick auf die zu erwartende Rente. Meine nicht nur ich, aus heutiger Sicht.

Versuchen wir uns dem Thema Rentenbesteuerung rechnerisch zu nähern. Keine Angst! So kompliziert ist es nicht.

Rentenbesteuerung erklärt am Beispiel

Leider können wir nur mit den aktuellen Steuersätzen rechnen. Welche Steuersätze im Jahr 2040 gelten, weiß heute niemand. Schauen wir zurück. In der Vergangenheit wurden die Steuersätze eher angehoben als gesenkt. Im Umkehrschluss bedeutet das: zukünftig wird es wohl noch höhere Steuern geben.

Laut dem im Jahr 2018 geltenden Steuersätzen müsste unsere Person bei einem Jahres Brutto von 19.800 Euro Rente (1.650 Euro mal 12 Monate, siehe Beispiel oben) 2.413 Euro Steuern zahlen. Ich habe mit diesem Rechner gerechnet. Der Rechner gibt eine Durchschnittssteuer von 12,19 Prozent aus. Von jedem Euro Rente gibt unsere Person reichlich 12 Cent an den Staat zurück.

Fazit: Wollen Sie 14.4 Prozent Rentenabschlag in Kauf nehmen oder 12,19 Prozent an den Staat abgeben, es bleibt Ihnen überlassen. Aus meiner Sicht ist die Variante vorteilhafter, vier Jahre früher in Rente zu gehen.

Ich bin eben überzeugter Aussteiger 😉

Der Rechner gibt einen Grenzsteuersatz von 27,20 Prozent aus. Beim Grenzsteuersatz wird jeder zusätzliche Euro betrachtet. Gibt es eine Rentenerhöhung, sind von einem Euro knapp ein Drittel gleich 27 Cent an Steuern abzugeben.

Lohnen sich Sonderzahlungen an die Rentenkasse, um die Rentenabschläge auszugleichen?

„Mit Sonderzahlungen an die Rentenkasse, können Sie Ihre Rentenabschläge ausgleichen!“

Diesen Satz lese ich oft in den Qualitätsmedien. Er suggeriert, Sonderabschläge sind der Königsweg. Ich habe nachgerechnet und finde, Sonderzahlungen sind nicht sinnvoll. Bei Interesse können Sie hier  nachlesen.

Es ist wichtig, für Sie zu wissen. Ich habe hier die Sozialabgaben auf die Rente außer Acht gelassen. Auf Ihrer Renteninfo finden Sie nur die zu erwartende Bruttorente. In Wahrheit werden Sie weniger ausgezahlt bekommen. Mit welchen Sozialabgaben Sie rechnen müssen, finden Sie hier.

Gruß Elke